Warum du das Rad nicht neu erfinden musst – aber wissen solltest, warum andere daran scheitern

14. Januar 2026

4 Min. Lesezeit

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Foto: ChatGPT

Neulich hatte ich ein Erstgespräch. Es ging um eine Website. Und ein Logo. Und all die Dinge, die man irgendwann braucht, wenn aus „Ich probiere mal“ ein Unternehmen wird, das ernst genommen werden will.

Solche Gespräche führe ich oft. Und sie verlaufen erstaunlich ähnlich. Nicht, weil Menschen böse Absichten hätten. Sondern weil sich an einer Stelle immer wieder dieselbe Unsicherheit zeigt.

Nicht laut. Nicht offen. Aber spürbar.


🤔 Der bekannte Satz – neu eingeordnet

„Wir wollen ja das Rad nicht neu erfinden.“

Ein Satz, der erstmal vernünftig klingt. Bodenständig. Pragmatisch. Und der doch oft mehr verdeckt als klärt.

Denn was danach folgt, ist selten eine klare Entscheidung. Sondern meist ein Gemisch aus groben Vorstellungen, angelesenem Halbwissen und der Hoffnung, dass es schon irgendwie passen wird.

Nicht aus Geiz. Sondern aus fehlender Einordnung.


💡 Haltung statt Preis

In dem Gespräch ging es um einen Handwerksbetrieb mit Ambitionen. Saubere Arbeit. Klare Prozesse. Der Wunsch, professioneller aufzutreten.

Ich habe ein unverbindliches Konzept gemacht. Einen Entwurf. Kostenlos. Weil ich das Potenzial gesehen habe.

Die Rückmeldung war freundlich, aber eindeutig: „Das ist uns zu teuer. Ein Bekannter meinte, sowas kostet eher um die 400 Euro. Wir wollen ja das Rad nicht neu erfinden.“

Und genau da wurde klar: Hier geht es nicht um Geld. Es geht um das Verhältnis zur eigenen Außenwirkung.


🛠️ Expertise leise erklären, nicht verteidigen

Ich erkläre niemandem, wie er seinen Job zu machen hat. Ich gehe auch nicht zum Kfz-Mechatroniker und diskutiere Öltypen, weil ich irgendwo etwas gelesen habe.

Nicht, weil ich dumm bin. Sondern weil ich weiß, wo meine Grenze ist.

In digitalen und gestalterischen Fragen wird diese Grenze oft ignoriert. Nicht aus Arroganz – sondern aus der Annahme, dass man das schon irgendwie selbst einschätzen könne.

Und genau das ist der Denkfehler.


🎯 Wirkung statt Wertung

Wenn Gestaltung beliebig behandelt wird, wird auch ihre Wirkung beliebig. Dann entstehen Auftritte, die funktionieren – aber nichts ausstrahlen.

Sie sind da. Aber sie erzählen nichts.

Und genau das spüren Kunden. Nicht bewusst. Aber zuverlässig.

Eine 400-Euro-Website mag technisch funktionieren. Aber sie vermittelt – leise, aber deutlich – das Gefühl: „Mir ist das hier nicht wichtig.“

Sie wirkt wie ein schlecht sitzender Konfirmationsanzug beim Business-Meeting. Und das bleibt hängen.


🔍 Warum das keine Abrechnung ist

Dieser Text ist keine Kritik an einzelnen Betrieben. Und auch kein Plädoyer für größere Budgets.

Er ist eine Einladung, die eigene Haltung zu überprüfen.

Wer nach außen professionell wirken will, muss nicht alles verstehen. Aber er sollte verstehen, wann er loslassen und Vertrauen zulassen muss.


✅ Leises Fazit

„Wir wollen das Rad nicht neu erfinden“ ist kein schlechter Satz.

Er wird nur oft an der falschen Stelle benutzt.

Denn manchmal geht es nicht darum, etwas neu zu erfinden – sondern ernst zu nehmen, was man längst tut.

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